Kann man hochsensitive Kinder "erziehen"? - Warum ich IN BEZIEHUNG zu meinen Kindern gehe

Als mein Sohn in etwa zwei Tage alt war, fiel mir auf, dass er irgendwie "anders" war.

Er verhielt sich nicht wie die anderen frisch geborenen Kinder auf der Säuglingsstation. Kann man überhaupt "Verhalten" sagen, wenn es sich um ein zwei Tage altes Baby handelt?

Ja, man kann. Denn es ist nichts anderes bei diesen Kindern.

Mein Kleiner verlangte ab der ersten Stunde seiner Geburt, 260 ml Flaschennahrung und das achtmal täglich, inklusive nachts. Die Kinderkrankenschwestern beschimpften mich, ich überfüttere das Baby und schade ihm.

 

 

 

Ich wiederum hörte auf mein Gefühl und gab ihm, wonach er verlangte. Er schien diese Nahrungsmenge tatsächlich zu brauchen. Da ich ihn aufgrund von Muttermilchmangel leider nicht stillen konnte, rührte ich eben die Erstlings-Nahrung an.

Florian sah man schon nach der Geburt seine "Weisheit" in den Augen an. Alle Kinderkrankenschwestern und Betreuerinnen der Säuglingsstation, rissen sich geradezu darum, auf den Kleinen aufpassen zu dürfen. Da es eine schwere Geburt nach einer noch schwereren Schwangerschaft war, musste ich mich erst mal erholen und viel schlafen.

Er strahlte soviel Liebe und Wärme aus, dass einem ganz schummrig wurde, wenn man ihn ansah oder im Arm hielt.

Er war die PURE LIEBE, wusste aber schon nach ein paar Wochen seinen kleinen Sturkopf durchzusetzen ;)

 

Er war so anders - So besonders

 

 

Schon nach ein paar Monaten fing Flo an mit mir zu diskutieren, obwohl er ja, klarerweise, noch nicht sprechen konnte.

Aber dieser Umstand hinderte den kleinen Mann nicht daran, mit mir zu "reden". In diesem Alter fing er auch an mit mir über die Telepathie zu kommunizieren.

Erst war ich schon sehr verwirrt darüber was da geschah. Ich bin zwar selbst hochsensitiv und hochempathisch, aber diese Fähigkeiten waren zu diesem Zeitpunkt meines Lebens tief in mir verschüttet.

Er verhielt sich manchmal so anders als andere kleine Kinder, dass ich mir oft sogar schon etwas Sorgen machte.

Zum Beispiel konnte er noch nie große Menschenansammlungen aushalten. Damals aus mir noch unerklärlichen Gründen. Heut ist das natürlich anders und ich weiß, dass es an seiner Hochempathie liegt. Ich tue mir ja auch schwer damit. Warum hat mich das früher nur so gewundert? ;)

 

Da ich schon immer alleine war mit ihm, kannte ich ihn am besten und konnte dann mit der Zeit auch entsprechend darauf reagieren, oder ihn vor solchen unguten Situationen schützen.

Leider komme ich aus einer Familie, wo Spiritualität zwar absolut kein Fremdwort ist, aber als "nicht gut" angesehen wird.

Somit hatten er und ich es schon mal gar nicht leicht, zu erklären, warum wir dies und das so nicht wollen oder aushalten können.

 

 

 

Seine besondere Liebe und Achtsamkeit zur Natur

 

 

Florian sah Engel und Naturwesen und fühlt bis heute einen Schmerz wenn er nur ein Blümchen pflückt. Mit ca. zwei bis zweieinhalb Jahren hat er mich um ein Sackerl (Tüte;-)) gebeten, damit er auf der Wiese hinter unserem Wohnhaus die Blumen von den dort liegenden Zigarettenstummeln befreien konnte. Mit den Worten "Blume weh, das weg!" hat er sich dann - natürlich in meiner Begleitung - an die Arbeit gemacht und jede einzelne Zigarette entsorgt. Auch heute noch, als Achtjähriger, entschuldigt er sich zum Beispiel bei einem Berg dafür, dass die bösen Menschen ein Loch in ihn gegraben haben, um einen Tunnel zu bauen. Auf der einen Seite ist er so achtsam und liebevoll. Auf der anderen Seite kann er so dickköpfig und starr sein ;). Ich hatte sehr oft damit bei ihm zu kämpfen. Auch heute noch bringt er mich ordentlich an meine Grenzen, aber ich bin froh, dass er eine Mutter hat, die ihn zumindest verstehen kann und ihn nicht verbiegen will. Darauf bin ich stolz. Ich hatte und habe trotz all den schwierigen Zeiten und Hindernissen, die sich uns immer wieder in den Weg stellten, nie die besondere Verbindung zwischen uns beiden aus den Augen verloren. Und ihr könnt mir glauben, ich weiß was es heißt, nicht mehr zu können, ausgebrannt zu sein und aufgeben zu wollen. Trotzdem finden wir über unsere besonderen Gaben immer wieder zueinander.

 

Flo war immer schon sehr selbständig. So konnte er sich mit einem Jahr die Schuhe alleine anziehen oder sich mit zwei Jahren ein Brot streichen. Mit nicht mal drei Jahren traute ich meinen Augen nicht, als er mir voller Stolz die Türklinke seiner Kinderzimmertür präsentierte, die er zuvor eigenhändig abgeschraubt hatte ;-). Er wollte und will immer alles selbst entdecken. Er braucht wenig Anleitung, weil es für ihn sowieso keinen Sinn ergibt, irgendetwas nach einem schon vorhandenen Weg zu machen.

 

 

 

So unterschiedlich und doch so ähnlich

 

 

Meine Tochter ist jetzt etwas über zwei Jahre alt und sie ist ihrem großen Bruder sehr ähnlich. Auch bei ihr merke ich schon, dass man ihr mit zu viel Vorgabe und Anleitung das Entdecken der Welt nimmt. Sie ist zwar nicht so empathisch wie mein Sohn aber nicht weniger hochsensibel.

 

Sie fühlt sich sehr schnell überreizt von Eindrücken und braucht dann erst einmal Ruhe um wieder zu sich zu finden. Mein Sohn braucht das auch, aber er braucht eher Körperkontakt mit mir um sich schneller wieder zu spüren und erden zu können.

Amelie braucht das nicht so wie Flo. Sie ist auch nicht so verkuschelt wie er. Manchmal sehr zu meinem Leidwesen ;) Aber sie findet sich am besten selbst wieder, wenn sie für sich allein ist und Ruhe hat.

Ihren Körper konnte sie überhaupt erst eher spät richtig wahrnehmen und spüren. sie hat für jede körperliche Entwicklung immer mindestens ein halbes Jahr länger gebraucht als es "normal" ist. Dafür hat sie schon mit unter zwei Jahren sehr schön sprechen gekonnt. Auch Drei- und Vierwortsätze waren für sie kein Problem. Jetzt spricht sie wirklich schon sehr schön und experimentiert mit ganzen, längeren Sätzen.

 

Bei Florian war das andersrum. Er war körperlich immer schneller dran. Aber sah für sich keine Notwendigkeit, früh sprechen zu wollen. Brauchte er ja auch nicht. Zwischen uns gab es ja die Telepathie ;)

 

Aber auch Amelie ist ein kleiner Entdecker und Erfindergeist und muss alles selbst machen. Bei ihr ist es so: Wenn man sie zu irgendetwas auf eine bestimmte, vorgefertigte Art anleiten will, zeigt sie gerade deswegen, dass es noch mindestens eine andere Möglichkeit gibt um das zu tun.

Auch sie ist sehr Achtsam mit der Natur und Tieren, aber in einem anderen Maße wie Florian.

 

 

Du siehst also, "erziehen" kann man diese hochsensiblen, hochsensitiven Kinder nicht ;). Das lassen sie auch gar nicht zu. Aber Begleitung, natürlich mit Grenzen setzen und in BEZIEHUNG zu ihnen zu gehen, ist was unsere besonderen Kinder brauchen und gern annehmen.

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Nicole Leibl (Dienstag, 19 Juli 2016 14:16)

    Liebe Diana!
    Wpher kenne ich das nur so gut!
    Mein Sohnemann hing zeitweise stündlich an der Brust und Schnuller kam für ihn gar nicht in Frage - wozu gubt es denn Mama!